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Multimedia: Rundreise in Mainz 2008

Im Juni hatten wir es mitgeteilt bekommen: In der vorlesungsfreien Zeit nach dem Sommersemester wird unsere Gymnastikhalle für längere Zeit geschlossen, weil die notwendigen Reparaturen jetzt durchgeführt werden sollen. Wochenlang ohne Training? Undenkbar. Also haben wir aus der Not eine Tugend gemacht und den Engpass zur Gelegenheit genommen, um (endlich) Kontakt zu den anderen Mainzer Aikido-Dojos aufzunehmen bzw. zu vertiefen. Nachdem uns auf erste Anfragen durchweg sehr positive Resonanz entgegen schlug, haben wir sogar eine richtige Rundreise mit jeweils einer Woche "Trainingsasyl" organisiert. Schnell ergab sich aus den jeweiligen Randbedingungen ein Reiseplan.

Um unsere Erfahrung zu dokumentieren und auch andere Trainingsgruppen zu einem solchen Schritt anzuregen, haben wir im Folgenden unsere Rundreise zusammengefasst:
Potsportversin Aikido-Uni-Mainz Polizeisportverein
Mainzer Rad
Aikido Mainz Aikido in Mombach
Aiki Mainz

Aikido-Sparte des Polizei-Sportverein Mainz

Die erste Station unserer Reise war der Polizeisportverein in Hechtsheim. Hier wird Tendo-Ryu-Aikido geübt. Man muss am Eingang seinen Personalausweis abgeben, sonst darf man gar nicht erst aufs Gelände. In der Nähe der Halle wurden wir dann schon vom Dojo-Leiter Joachim Gröner erwartet, da es gar nicht so einfach ist, bis in die eigentliche Trainingshalle vorzustoßen. Diese liegt nämlich unter der Erde und was auf dem Innenhof eher an die Gewächshäuser bei der Biologie erinnert, entpuppt sich dann als die Oberlichter der Halle. Angenehmerweise müssen keine Matten auf- und abgebaut werden, sondern es kann direkt losgehen. Tendo-Ryu ist ein sanfter Aikido-Stil, aber schon beim Aufwärm-Training wurde klar, dass man sich trotzdem richtig austoben kann. Das hat sich auch beim zweiten Trainingstermin in der Woche nicht geändert. Da in der ersten Woche des Monats Waffentraining gemacht wird, sind wir sowohl in den Genuß von Jo, Bokken und Tanto-Training gekommen. Viel zu schnell war die Woche vorbei und die Leute vom Polizeisportverein drückten ihr Bedauern aus, dass wir schon weiterziehen wollen.

Aikikai Dojo in Mombach

In der zweiten Woche waren wir im Mombacher Turnverein bei Gerold und Inge Jäpel zu Gast. Die beiden pflegen seit langem ihren Kontakt zu Meister Asai und damit ist uns ihre Art Aikido zu machen nicht fern. Sie kamen gerade frisch von einem einwöchigen Lehrgang bei Meister Asai zurück und so kamen wir in den Genuß, auch davon direkt zu profitieren. Es entstand eine sehr freudige Dynamik auf der Matte, die man den Übenden von beiden Seiten anmerkte, sodass auch etwas Yoko-Ukemi praktiziert wurde, obwohl Gerold wegen des doch überaus harten Hallenbodens davon abgeraten hatte. Aber wenn die Energie stimmt, dann fällt man halt auch mal auf Parkett...

Aiki Dojo Mainz (Takemusu Aikido Iwama Stil)

Die dritte Woche hat uns dann auf dem Layenhof im Iwama-Ryu Dojo von Jirka Dell'Oro-Friedl gesehen. Iwama-Ryu ist wahrscheinlich von der Art des Übens am weitesten von dem entfernt, was wir normalerweise gewohnt sind, zum Einen, weil mit viel Kiai geübt wird, zum Anderen weil das Befreien aus festem Griff einen größeren Raum im Training einnimmt, als das bei uns typischerweise der Fall ist. Auch war Jirka's Dojo das erste Dojo auf unserer Reise, das durch seine eigenen Räumlichkeiten die Möglichkeit hat, eine Aikido-spezifische und individuelle Einrichtung aufzuweisen. Das fängt beim Schmuck des Dojos mit Pflanzen, Kerzen und Urkunden an und geht weiter bis zu einem Aufenthaltsraum mit kleiner Küche und einer gemütlichen Sitzmöglichkeit. Das Waffentraining findet teilweise draußen statt, was zusammen mit dem intensiv geübten Kiai eine ganz eigene Atmosphäre hat. Auch am Frühtraining haben manche von uns teilgenommen und so eine intensive Trainingswoche verbracht.

Aikido Dojo Mainz

Die vierte Woche haben wir im Aikido Dojo Mainz verbracht. Gegründet von Anita Köhler wird hier nach der Stilrichtung von Meister Tissier geübt. Anita ist selbst einmal die Woche da und so sind wir in den Genuss gekommen, sowohl mit ihr als auch mit ihren Schülern zu üben. Gerade weil es viele Gemeinsamkeiten zwischen unseren Übungsarten gibt, sind die Unterschiede dann um so augenscheinlicher. So haben wir gemeinsam danach gesucht, weich und stark gleichzeitig zu sein. Auch hier wird mit viel Kiai geübt, besonders auch in der eigenen Schwert-Stunde.

Aikido Abteilung des Postsport Vereins

Das Mainzer Rad hat unser Besuch beim Postsport-Verein voll gemacht. In der fünften Woche unserer Rundreise waren wir zum Training bei Volker Knau in der Schillerschule, zumindest diejenigen von uns, die die Schillerschule auch gefunden haben. Nach dem Begrüßen von alten Bekannten, die wir teilweise lange nicht gesehen haben, musste erstmal die Mattenfläche größer als sonst üblich gestaltet werden, Matten auf- und abbauen sind wir ja aus unserem eigenen Dojo gewohnt. Auch ein bisschen unter Zeitdruck zu operieren, ist uns nicht fremd. Der Aikido-Stil von Volker ist von Akzeptanz und besonderer Weichheit geprägt. Eine gar nicht so einfache, aber um so spannendere Herausforderung, in den eigenen Bewegungen immer wieder diejenigen Stellen zu finden, an denen man dem Partner Möglichkeiten zum Widerstand bietet.
Mainzer Rad
So schließt sich der Kreis und es soll nicht mehr lange dauern, bis wir in die eigenen Hallen zurück können. Alle Dojos haben uns überaus herzlich willkommen geheißen und sich sehr über unsere Reiseaktion gefreut. Es sind viele neue Kontakte geknüpft worden und alte wieder aufgeweckt, sowohl zwischen den Dojos als auch zwischen einzelnen Aikidoka. Viele Teilnehmer von den verschiedenen Gruppen haben den Wunsch geäußert, aus diesem Ansatz etwas zu kreieren, was die Verbindung zwischen den Dojos aufrecht erhält und intensiviert.

Jeder Stopp unserer Reise hat uns neue Facetten des Aikido und besonders des Mainzer Aikido-Lebens vor Augen geführt. Wir sind um eine sehr schöne und erweiternde Erfahrung reicher, die unseren Weg als Aikidoka bereichert hat. Getroffen hat es die Formulierung von Anita, die sagte, dass wir "alle verschiedene Mainzer Aikido-Dialekte sprechen und Aikido dadurch mit so schön ist, weil man miteinander kommunizieren will".

Wir bedanken uns nochmals sehr bei allen Gastgebern und freuen uns auf das nächste gemeinsame Training.
TN - Herbst 2008